In Zusammenhang mit der Gründung von San Siro '97 gibt es zwei Anekdoten, die uns erst später bewusst wurden und die mit dem Mailänder Stadion und Inter Mailand zusammenhängen.

Im Sommer des Jahres 1996 verbrachten Jörg Drees, Marc Bernhof und Andreas Czapracki gemeinsam einen Italien-Urlaub per Auto und Zelt. In diesem Urlaub trugen sich wundersame Dinge zu. Was war passiert?

Nach der Abfahrt in Gelsenkirchen war unsere erste Anlaufstation Mailand. Nahe des dortigen San Siro-Stadions war ein zwar nicht gerade besonderer, aber ausreichender Stadt-Campingplatz, auf dem wir unser Zelt aufschlugen, um am nächsten Tag mit einem Besuch von Mailand unseren Italien-Urlaub zu beginnen.

Natürlich gehörte zu diesem Besuch der Stadt auch eine Stadionbesichtigung des altehrwürdigen Fußballtempels von Inter und AC. Aber das sollte sich als nebensächlich herausstellen, denn uns als Schalker kannte ja keine Sau. Nach ein paar Fotos und einer ersten Orientierung schlenderten wir über den Vorplatz des Stadions. Dort waren einige Buden aufgebaut, die den Besuchern aus aller Welt (vermutliche Blender-)Fanartikel unterjubelten. Inter, AC, Bayern München, FC Barcelona... alles da. Nur der frischgebackene Bundesliga-Dritte, Schalke 04, war nicht zu sehen. Der Stand-Inhaber war offensichtlich Interisti. Die Frage nach S04-Devotionalien wurde ein wenig herablassend in etwa mit "Hä? Ssssalke zero quattro? Watt issen datt?" beantwortet. Antwort vom italienisch sprechenden Bernie: "Datt sind die, die euch nächstes Jahr hier im UEFA-Pokalfinale weghauen werden".

Großes Gelächter, das konnte man eigentlich gar nicht ernst nehmen, denn das war mehr als utopisch. Auf die angebotene Wette (um was, weiß ich gar nicht mehr) ging der Händler ein. Wir alle wissen ja, dass wir ein Jahr später wieder auf der Mailänder Matte standen, um uns den Pott unter den Nagel zu reißen. Leider haben wir den fliegenden Händler nicht wiedergesehen. Es brannte uns quasi auf den Lippen ihn zu begrüßen "Na? Da sind wir wieder! Haste jetzt Schalke-Utensilien?". Hatten sie natürlich in ausreichender Anzahl.

Im gleichen Urlaub war auf der Rückreise die Schweiz unser Ziel und u. a. Grindelwald, in der Nähe des Matterhorns und des Jungfraujoch, wo eine Eisenbahn hoch fährt. Das ließen wir uns nicht nehmen, Europas höchstgelegene Bahnstation zu besuchen und enterten mit Schal den Zug. Denn da oben war es ja ein bißchen kälter als im Tal, nicht wahr? Natürlich war der brandneue "Europa, wir kommen!"-Schal dabei, mit dem Schalke die Rückkehr in den europäischen Wettbewerb nach 19 Jahren gefeiert hat.

Oben angekommen spulten wir unser Besichtigungsprogramm ab und fanden dabei eine Wand mit dem damaligen Werbeslogan des Jungfraujoch, "Top of Europe". Es ist selbstverständlich, daß wir uns vor dieser Wand erst mal ablichteten und dabei unseren Europa-Schal präsentierten. Das muß man sich im Nachgang mal auf der Zunge zergehen lassen. Wir befinden uns physisch auf der höchsten Bahnstation Europas und ein Jahr später war es dann auch im übertragenen Sinne so weit. Schalke top of Europe. Das wußte natürlich auch niemand zu diesem Zeitpunkt.

Damals gabs leider noch keine brauchbaren Digitalkameras, daher existiert davon nur ein Negativ und ein Abzug. Ich wollte es seinerzeit an den Kreisel schicken, habs aber nie getan. Wenn ich es mal wieder finde, werde ich es scannen und online stellen. Auf der Rückseite ist das Entwicklungsdatum aufgestempelt.

Chappi

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